200 Jahre und immer noch auf dem Weg zur Anerkennung

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„Wenn Jemand eine Reise thut,

So kann er was erzählen;

Drum nahm ich meinen Drahtesel

Und thät das Reisen wählen.“

(Frei nach Matthias Claudius)

 

oedt/abs. Stadtradeln um unsere Umwelt ein bisschen zu betüddeln. Ein netter Gedanke. Besonders zum Jahrestag des Fahrrads. Denn immerhin wird das Fahrrad 200 Jahre jung und ein Ende ist nicht abzusehen. So schnappte ich mir mein altes Fahrrad und erstrammpelte mir die ersten Kilometer für das Stadtradeln. Die Tour ging von Oedt in Richtung Vorst. Von dort über „Radwege“ nach Tönisvorst, weiter nach Kempen zum diesjährigen Altstadtlauf und zurück über Mülhausen nach Oedt. Ich denke mal, Kommentare kann ich mir sparen, denn Bilder sagen mehr als tausend Worte:

 

 

 

Laut Zweirad-Industrie-Verband gibt es in Deutschland rund 70 Millionen Fahrräder gegenüber 42,3 Millionen Pkws. Tendenz steigend. Nicht nur bei den E-Bikes, sondern auch bei den „Normalos“. Trotz dieser Zahlen fahren nur etwa 14 Prozent mit dem ÖPNV und nur 10 Prozent mit dem Fahrrad zur Arbeit. Eine Ausnahme bildet Münster, wo 38 Prozent mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Auch Nachbarländer wie Dänemark oder die Niederlande sind uns weit voraus.

Doch bleiben wir im Land: Münster mit seinen Fahrradparkhäuser, in dem man für wenig Geld seinen Drahtesel unterstellen kann. Eine Fahrradwaschanlage vorhanden ist. Als Service Radstationen mit Mieträder und Fachpersonal, die diese Mieträder betreuen und einen Service anbieten, das eigene Rad wieder auf einen verkehrstüchtigen Stand zu bringen.  Laut ADFC sind auch Göttingen, Bochum, Marburg, Pforzheim oder Bocholt auf den besten Weg, fahrradfreundlichste Städte in Deutschland zu werden.

 

 

„Die Fahrradinfrastruktur ist grotesk unterdimensioniert“

 Was sind die wichtigsten Merkmale einer fahrradfreundlichen Kommune?

Es geht um den knapp bemessenen Platz in den Kommunen. Es geht darum, dem Auto Platz wegzunehmen und ihn den Radfahrern, Fußgängern und dem ÖPNV zur Verfügung zu stellen. An erster Stelle steht deshalb immer ein starker politischer Kopf oder besser noch eine ganze Gruppe von Köpfen, die wirklich das Mobilitätsverhalten der Menschen verändern – und sie ausdrücklich zum Radfahren oder zum Zufußgehen einladen will.

Alles andere ist schnell gesagt: Ein durchgängiges Radverkehrsnetz quer durch die Stadt. Zwischen den Städten und im Umland der Metropolen brauchen wir kreuzungsfrei geführte Radschnellwege, wie in den Niederlanden, für Pendler. Breite Radwege, auf denen man überholen oder nebeneinander fahren kann. Ein gut gepflegter, leichtläufiger Belag. Winterdienst für Radwege. Falschparker auf Radwegen streng verfolgen. Ein großzügiges Angebot an sicheren Abstellplätzen. Niedriges Verkehrstempo und ein rücksichtsvolles Verkehrsklima, denn als ungeschützte Verkehrsteilnehmer fühlen sich Radfahrer viel schneller bedroht als Autoinsassen. Autofreie Sonntage, Fahrradaktionstage, Bürgermeistersprechstunden auf dem Rad, Kampagnen, wie „Mit dem Rad zur Arbeit“ oder „Stadtradeln“. Nicht zuletzt: Fahrradfreundliche Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern Diensträder, Fahrradparkplätze und Duschen zur Verfügung stellen. Es reicht nicht, Piktogramme und schmale Streifen auf die Fahrbahn zu malen. Radverkehr fördern heißt, sich von den autodominierten Stadtkonzepten zu verabschieden, den Raum neu aufzuteilen und attraktive Angebote für den Umstieg auf das Rad zu machen.

Carl-Friedrich Höck im Gespräch mit den Vorsitzenden des ADFC Ulrich Syberg vom 9.Juni 2017

 

Doch um dies zu erreichen, müssten Kommunen und Kreise dem Goldenen Kalb „Auto“ etwas Platz wegnehmen und ihn den Menschen zurückgeben. Doch dazu braucht es eine Politik mit Mut, Weitsicht und Durchsetzungsvermögen, die endlich zukunftsfähige Weichen stellt und nicht nur dem Populismus das Wort redet. Unsere Gesellschaft ist in einem Wandel begriffen, gegen den die letzten 100 Jahre ein „Nichts“ waren. Wir überaltern. Die Mobilität der Menschen verändert sich rapide. Der menschliche Lebensraum wird immer mehr zur Beton-Steinwüste, Flora und Fauna steht kurz vor einem Kollaps und die Straßen mutieren zum Kriegsschauplatz zwischen Auto, Fahrrad und Fußgänger. Es ist fünf vor zwölf sich von einer autodominierenden Umwelt zu verabschieden, um Menschen das zurückzugeben, was über Jahrzehnte gestohlen wurde: Unser Lebensraum.

Immer mehr Menschen steigen auf das Fahrrad um. Nicht nur um Geld zu sparen, sondern aus der Gewissheit heraus, dass es für die Gesundheit und der Umwelt einfach besser ist.

 

Ein durchgängiges Radverkehrsnetz quer durch die Stadt. Zwischen den Städten und im Umland der Metropolen brauchen wir kreuzungsfrei geführte Radschnellwege, wie in den Niederlanden, für Pendler. Breite Radwege, auf denen man überholen oder nebeneinander fahren kann. Ein gut gepflegter, leichtläufiger Belag. Winterdienst für Radwege. Falschparker auf Radwegen streng verfolgen. Ein großzügiges Angebot an sicheren Abstellplätzen. Niedriges Verkehrstempo und ein rücksichtsvolles Verkehrsklima, denn als ungeschützte Verkehrsteilnehmer fühlen sich Radfahrer viel schneller bedroht als Autoinsassen. Autofreie Sonntage, Fahrradaktionstage, Bürgermeistersprechstunden auf dem Rad, Kampagnen, wie „Mit dem Rad zur Arbeit“ oder „Stadtradeln“. Nicht zuletzt: Fahrradfreundliche Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern Diensträder, Fahrradparkplätze und Duschen zur Verfügung stellen. Es reicht nicht, Piktogramme und schmale Streifen auf die Fahrbahn zu malen. Radverkehr fördern heißt, sich von den autodominierten Stadtkonzepten zu verabschieden, den Raum neu aufzuteilen und attraktive Angebote für den Umstieg auf das Rad zu machen.

Elektroräder sind eine schöner Zuwachs in der Familie der Fahrräder. Sie bringen neue Zielgruppen auf das Rad und sie vergrößern den Radius und die Einsatzgebiete. Das „normale“ Fahrrad boomt aber ebenfalls weiter. Es ist einfach unschlagbar flexibel und effizient – und in unserer übertechnisierten Welt eine Erholung für Körper und Sinne. (Ulrich Syberg)

 

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Es wäre sehr hilfreich, wenn Radfahrer evtl. Bilder von unzumutbaren Radwegen

oder Stellen auf Radwegen fotografieren und beschreiben würden. Danke schon mal im voraus.

 

 

 

 

 

 

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