Dort, wo alles begann-

Verweigert man mit fadenscheinigen Argumenten das Gedenken

 

In München steht ein Hofbräuhaus Da, wo die grüne Isar fließt, wo man mit Grüß Gott Dich grüßt, Liegt

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Cevriye Lucan / Lizenz: GFDL

meine schöne Münch’ner Stadt, Die ihresgleichen gar nicht hat.

 

Oedt (abs) Als sich am 24 Februar 1920 im Münchener Hofbräuhaus die NSDAP unter Hitler, Eckart, Esser, Heß, Röhm etablierte, stand schon fest, wie diese Partei mit jüdischen Mitbürgern umgehen würde.

Damals lebten in München rund 12.000 Menschen jüdischen Glaubens.  Am 30. April 1945 fanden die amerikanischen Befreier nur noch 84 überlebende Juden in München vor.

Das ausgebrannte Gebäude der Ohel-Jakob-Synagoge in München
Über 1.400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört

Schon 1938 wurden Synagogen abgerissen und von hier, München wurde die „Reichskristalnacht“ am 9.11.1938 ausgerufen. Synagogen brannten oder wurden durch Vandalismus zerstört. Nebengebäude , die nicht zerstört wurden, nahm die SS in Beschlag, um dort die Zuchtanstalt für Arier „Lebensborn e.V.“ aufzubauen. Jüdische Geschäfte wurden Zerstört, das jüdische Krankenhaus wurde ebenso wie das jüdische Kinderheim aufgelöst und die Patienten und Kinder aus dem Heim deportiert und zum größten Teil ermordet.

„Die frech gewordenen Juden sind verhaftet. Das nationalsozialistische München demonstriert heute um 20 Uhr in 20 Massenkundgebungen gegen das Weltjudentum und seine schwarzen und roten Bundesgenossen“

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Charlotte Knobloch, (Foto: Michael Lucan, Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Heute, rund 95 Jahre später, wo wieder braune Parolen gegrölt, Flüchtlingsheime angezündet werden und Angriffe auf Flüchtlinge fast täglich stattfinden, weigert sich der Münchener Stadtrat unter einer Schwarz/Roten Koalition, die Erinnerung an diese Mörderische Zeit durch Stolpersteine zu gedenken, mit der fadenscheinigen Begründung von Frau Charlotte Knobloch, „man dürfe Menschen/Gedenken nicht mit Füßen treten“.

Dabei ist eine große Anzahl der Bevölkerung für diese Art der Mahnung/Erinnerung, denn jeder Stein erzählt eindringlich die Geschichte eines ermordeten Menschen, der durch die braune Mordmaschine ums Leben gekommen ist. Es völlig unverständlich, wie München trotz steigender rechter Gewalt ihren Blickwinkel auf ermordete Menschen nicht überdenkt und alle ihre Kraft dafür einsetzen, die Erinnerungen an die Opfer des Nationalsozialismus gerade in München zu stärken, unter dem Motto:

„Wehret den Anfängen.“

Besonders Heute ist es notwendig, ein Netz der Erinnerung herzustellen und nicht 12 Jahre über eine „Notwendigkeit“ zu diskutieren. Denn diese Taktik kommt denen zugute, die schon immer ein Ende der Erinnerung dieser grauenvollen Taten fordern.

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Gunter Demnig Foto: Michael Lucan, Lizenz: CC-BY-SA 3.0

In Europa erinnern zehntausende Stolpersteine an die Gräuel der NS Zeit. Jeder Stolperstein erinnert an einen Mord an Menschen, die einfach nur einen anderen Glauben hatten.

Das Projekt Stolperstein des Deutschen Gunter Demnig ist weltweit das größte Mahnmal für den Frieden und der Unmenschlichkeit der Nationalsozialisten. Und täglich kommen „Namen“ hinzu, zum Gedenken an ermordete Freunde oder Verwandte.

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Ermordetes Ehepaar Jordan

Nur in München laufen die Uhren mal wieder anders. Dort ließ die Stadtverwaltung 2004 sogar in einer Nacht & Nebel-Aktion Stunden später zwei Steine entfernen, die an das ermordete Ehepaar Siegfried und Paula Jordan erinnern sollten. Ein Münchener Ehepaar, das nach Litauen deportiert und dort ermordet wurde.

http://standpunkt-grefrath.de/die-stolpersteine/

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