Ich, der heimliche Rassist

Nationalismus lehrt dich, stolz auf Dinge zu sein, die du nicht vollbracht hast und Menschen zu hassen, die du nicht kennst. (Gunnar Sohn, 10.09.2014 im „The European)

(abs) Ständig erwische ich mich dabei, rechtspopulistischen Schlagworten im Alltag Verständnis entgegenzubringen. Jedenfalls sekundenweise. Nicht die primitiven Schlagworte der Glatzen- und Springerstiefelgruppierungen, sondern der teilweise subtilen Klischees von Politik und Gesellschaft. Es sind diese Schlagworte, die täglich in den Medien auf mich niederprasseln, um sich in meinem Kopf festzukrallen und dazu führen, dass Menschen anhand der Herkunft, der Hautfarbe, der Gesichtszüge, der Religion oder ihres Namens als „fremd“ einsortiert und mit Vorurteilen belegt werden.
Da gibt es die Sozialschmarotzer, die nur nach Deutschland kommen, weil es ihnen hier so gut geht und nur unsere „großzügige Asylregelung“ ausnutzen wollen und eine wirtschaftliche Belastung für Deutschland darstellen. Oder diejenigen, die nicht arbeiten wollen und der Gesellschaft auf der Tasche liegen. Dann wären da noch die, die sich eine asiatische Frau kaufen, oder die Straftäter, die dunkelhäutig und schwarzhaarig aussehen, oder die sonstigen Auffälligen mit Migrationshintergrund. Nicht zu vergessen die Bettler, die eh nur zum Saufen Geld schnorren. Dann gibt’s noch die Menschen, die in Geschäften sofort argwöhnisch beobachtet werden, weil sie sich durch ihr Erscheinungsbild verdächtig machen, Ladendiebe zu sein. Zumindest stellen wir ihren Kaufwillen in Frage, weil sie ja doch kein Geld haben. Das sind potenzielle Diebe und Betrüger.

Nur wie sollen Menschen anders reagieren, wenn durch Politik, Gesellschaft oder Polizei routinemäßiger Nationalismus praktiziert wird? Immer noch werden von der Politik Schlagworte verwendet, die unsere Vorurteile bestätigen. Bei polizeilichen Kontrollen werden ausländisch aussehende Menschen besonders intensiv kontrolliert, denn es könnten ja Illegale sein. Und wir? Wir schauen verstohlen hin und öffnen schon unsere Schublade, in die wir den Kontrollierten hineinstecken.
Und jeder kennt einen, der einen kennt, der schon mal von einem Ausländer… Oder die Aussage: „Ich bin ja kein Nazi, aber…“ Und reden wir einmal mit solch einem Ausländer, sprechen wir mit ihm, stammeln wir im schlimmsten Deutsch, als wären wir nie zur Schule gegangen, weil wir glauben, unserem Gesprächspartner damit zu helfen. Dabei halten wir uns dann für sehr tolerant und beginnen sogar ein Gespräch. Ein Gespräch, in dem wir dem Gegenüber zu erkennen geben: „Wir haben Dich, auch wenn du gut Deutsch sprichst, als Ausländer erkannt. Aber wir sind tolerant und klären dich in deiner Unwissenheit, für die Du ja nicht kannst, auf.

Ja, ich bin Rassist, wenn ich nachplappere und nicht nachdenke.

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