Mobilität ohne Knautschzone

Grefrath. (abs2014) Immer mehr Menschen bewegen sich, gewollt oder ungewollt umweltverträglich durch unsere Kommunen. Menschen ohne Knautschzone und viele, die schon durch ihr Alter besonders gefährdet sind. Junge und alte Menschen. Gesunde, Kranke und Menschen mit Behinderungen. Tag täglich verunglückt so über 100 Menschen, insbesondere Kinder und ältere Mitmenschen. Tendenz: rapide steigend.
Dabei ist es uns seit Jahren bewusst, das gerade ältere Menschen und Kinder als Fußgänger besonders gefährdet sind. Alleine vor dem demographischen Wandel werden sich in den nächsten Jahren die Menschen, die auf Rollatoren oder Rollstühle angewiesen sind, verdreifachen, auf ca. sechs Millionen Mitbürger. Dennoch ist bei uns der Ausdruck Barrierefrei nur ein Diskussionsnebenschauplatz oder wir beschränken die Barrierefreiheit auf den Lebensraum Wohnung. Dadurch verlieren wir die Barrierefreie gesamt Infrastruktur aus den Augen und sind stolz darauf, vor irgendeiner Treppe eine Rampe installieren zu haben, oder eine Ampelanlage, die Geräusche abgibt. Dabei muss nach unseren Heutigen Erkenntnissen die gesamte Infrastruktur verändert werden um Menschen einen würdigen Lebensraum zu erstellen. Dazu gehören abgesenkte Bordsteine, genauso dazu, wie Markierungen für Sehbehinderte, mehr, aber auch angepasste Sitzgelegenheiten. Nahverkehr, ärztliche Versorgung, öffentliche Toiletten und Kommunikationspunkte für Notfälle um nur einen Teil zu nennen. Denn Ältere Menschen und Kinder verunglücken als Fußgänger im Durchschnitt viel häufiger.

Rollator

Seit rund 100 Jahren werden Straßen geplant, so als ob andere Mobilitäten nicht vorhanden sind. Sie mussten und müssen sich mit dem begnügen, was die Autofahrer für sie übrig lassen. Alles was nicht Automobil war, wurde schlecht weg vergessen und/oder teilweise gettoisiert. Gehwege, auf denen sich Fußgänger an den Häuserwänden entlang drücken müssen. Gehwege, die nicht einmal einen Rollstuhlfahrer zulassen. Fahrradwege, die einem russischen Roulett gleichen und Spielplätze und Schulen, die nur mit dem Auto erreicht werden können und so eingezäunt sind, dass durch den Verkehr keine Unfälle passieren können. Einen Nahverkehr, der seinen Namen in vielen Kommunen nicht verdient und teilweise diskriminierend aufgestellt ist. Eben eine Gettoisierung für Nichtautofahrer. Ganze Kommunen werden den Menschen weggenommen und dem Kraftverkehr zugesprochen. Dadurch werden den Menschen nicht nur ihrer Rechte beraubt, sondern Ortschaften bekommen auch ein verheerendes Stadtbild, das immer mehr Menschen abstößt, ihren Lebensraum in solchen Ortschaften zu etablieren.
Die ist leider noch nicht in den Köpfen der Politiker angekommen, denn sonst würden sie nicht mit angezogener Bremse sich der Thematik annehmen. Wir müssen wegkommen von der Planung von Autos zu Menschen, sondern von Menschen zu den Autos. Erst dann haben wir wieder einen Lebens- und liebenswerten Raum zum Wohlfühlen. Für Alle.

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