Aus der Region

Rohstoffgier als Konstante der Macht (2)

Von der Kolonialherrschaft bis heute

Globale Konflikte werden selten offen als das benannt, was sie oft sind: Kämpfe um Land, Ressourcen und Kontrolle. Die Sprache hat sich geändert, die Mechanismen kaum. Wer verstehen will, warum geopolitische Spannungen heute eskalieren, muss zurückblicken – nicht aus Nostalgie, sondern aus analytischer Notwendigkeit.

Der lange Schatten der Geschichte

Die europäische Kolonialherrschaft war kein kulturelles Missverständnis, sondern ein ökonomisches Projekt. Gold, Silber, Land, später Öl und andere Rohstoffe standen im Zentrum. In Nord- und Südamerika bedeutete das die systematische Enteignung indigener Bevölkerungen. Wer sich widersetzte, wurde vertrieben oder getötet.

In Nordamerika verteidigten indigene Nationen ihr Land gegen sogenannte Pioniere, die es sich aneignen wollten. Die Reaktion des entstehenden Staates war militärische Gewalt. Massaker, Zwangsumsiedlungen, gebrochene Verträge und das Einsperren Überlebender in Reservate waren keine Ausnahmen, sondern Teil einer staatlich legitimierten Strategie. Landraub wurde zur Grundlage wirtschaftlicher Expansion.

Diese Gewalt war kein Betriebsunfall der Geschichte. Sie war Mittel zum Zweck. Rohstoffe und fruchtbares Land sollten kontrolliert, nicht geteilt werden.

Rohstoffe als strategischer Kern moderner Politik

Heute spricht kaum jemand offen von Eroberung. Stattdessen geht es um „Sicherheitsinteressen“, „Lieferketten“ oder „Energieunabhängigkeit“. Doch der Kern bleibt gleich: Wer über strategische Ressourcen verfügt, hat Macht.

Öl in Venezuela, seltene Erden in Grönland, Gas, Lithium, Kupfer – sie sind nicht nur Handelsgüter, sondern geopolitische Hebel. Staaten und Konzerne konkurrieren um Zugang, Kontrolle und langfristige Sicherung. Politische Instabilität wird dabei nicht selten in Kauf genommen oder bewusst genutzt.

Die historische Parallele ist offensichtlich: Auch die Kolonialmächte rechtfertigten ihre Expansion mit angeblicher Ordnung, Fortschritt oder Zivilisation. Tatsächlich ging es um Besitz und Ausbeutung.

Gewalt gegen Widerstand – damals wie heute

Indigene Bevölkerungen wurden nicht getötet, weil sie „wild“ waren, sondern weil sie sich weigerten, ihr Land aufzugeben. Widerstand gegen Enteignung wurde kriminalisiert. Genau dieses Muster findet sich bis heute, wenn auch in anderer Form.

Staaten, die sich der wirtschaftlichen Kontrolle entziehen wollen, geraten unter Druck. Sanktionen, politische Einmischung, wirtschaftliche Isolierung oder verdeckte Operationen ersetzen heute oft die offene militärische Eroberung. Das Ziel bleibt identisch: Zugriff auf Ressourcen und Einflusszonen.

Die betroffene Zivilbevölkerung zahlt den Preis. Armut, politische Instabilität und Gewalt sind keine unbeabsichtigten Nebenwirkungen, sondern kalkulierte Risiken.

Grönland als Symbol einer neuen Eskalationsstufe

Die wiederholten Aussagen aus den USA, Grönland notfalls auch mit Zwang kontrollieren zu wollen, markieren eine neue Offenheit. Hier wird kaum noch verschleiert, dass es um strategische Lage und Rohstoffe geht. Seltene Erden, neue Schifffahrtsrouten, militärische Präsenz – all das macht die Insel geopolitisch relevant.

Historisch betrachtet ist auch das kein Bruch, sondern eine Rückkehr zu einer direkteren Sprache der Macht. Wer militärische Optionen offen anspricht, signalisiert, dass wirtschaftliche Interessen notfalls über Völkerrecht gestellt werden.

Ist es wirklich Trump?

Die Fixierung auf einzelne Personen greift zu kurz. Politische Systeme dieser Größenordnung handeln nicht impulsiv allein. Strategische Denkfabriken, wirtschaftliche Interessen, Rüstungsindustrie und Energiekonzerne prägen langfristige Agenden. Einzelne Politiker fungieren dabei als Verstärker, nicht zwingend als Urheber.

Geschichte zeigt: Expansionspolitik entsteht selten aus persönlicher Laune, sondern aus struktureller Gier. Wer Rohstoffe kontrolliert, kontrolliert Märkte, Einfluss und Abhängigkeiten. Diese Logik war im 16. Jahrhundert gültig – und ist es heute noch.

Europas auffällige Zurückhaltung

Europa, insbesondere Deutschland, reagiert auf diese Entwicklungen zögerlich. Mahnende Worte ersetzen strategisches Handeln. Abhängigkeiten von Energieimporten, fehlende gemeinsame Außenpolitik und wirtschaftliche Verflechtungen lähmen die Handlungsfähigkeit.

Dabei wäre gerade Europa historisch verpflichtet, sensibel auf Landraub, Ausbeutung und Machtpolitik zu reagieren. Stattdessen wirkt die EU oft wie ein Zuschauer, der auf Stabilität hofft, während andere Fakten schaffen.

people harvesting crops paintingWarum Geschichte kein abgeschlossenes Kapitel ist

Die Massentötungen indigener Bevölkerungen, der Diebstahl ihres Landes und die Zerstörung ihrer Kulturen sind keine Randnotizen. Sie zeigen, wie weit Staaten bereit sind zu gehen, wenn wirtschaftliche Interessen dominieren. Wer glaubt, diese Muster seien überwunden, verkennt die Kontinuitäten von Machtpolitik.

Rohstoffgier ist kein Relikt. Sie ist strukturell verankert. Der Unterschied liegt heute weniger im Ziel als in der Verpackung.

Kernpunkte

  • Rohstoffgier war und ist ein zentraler Treiber von Gewalt und Expansion

  • Kolonialherrschaft und moderne Geopolitik folgen ähnlichen ökonomischen Logiken

  • Indigener Widerstand wurde historisch mit massiver Gewalt beantwortet

  • Aktuelle Konflikte um Öl, Gas und seltene Erden zeigen dieselben Muster

  • Europa reagiert bislang defensiv und ohne strategische Klarheit

Wer die Gegenwart verstehen will, muss anerkennen, dass Geschichte nicht vorbei ist – sie hat nur ihre Sprache geändert.

Dieser Zusammenhang verdient öffentliche Debatte, nicht Beschwichtigung. Rohstoffe, Macht und Gewalt sind keine abstrakten Themen, sondern konkrete politische Entscheidungen mit realen Folgen.

…und willst du nicht mein Bruder sein


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bitte vervollständigen... * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.