„Wer zahlt, wird behandelt“
Gesundheit wird zunehmend zur Frage des Geldbeutels, nicht mehr zur garantierten Daseinsvorsorge. Sie soll offenbar immer öfter vom Geld abhängen.
Zahnarztkosten, Selbstzahlen, Streichungen – vieles, was bisher selbstverständlich war, steht plötzlich zur Debatte.
Während Millionen Menschen kaum über die Runden kommen, reden CDU und CDU-nahe Gremien über weniger Leistungen und mehr Belastungen.
Warum bleibt der Widerstand so leise – selbst dort, wo „sozial“ im Namen steht?
Gesundheit war in Deutschland lange kein Luxus. Wer krank war, wurde behandelt. Unabhängig vom Kontostand. Dieses Prinzip gerät zunehmend ins Wanken.
Aus CDU-nahen Gremien kommen Vorschläge, die vieles infrage stellen, was über Jahrzehnte als selbstverständlich galt. Unter anderem geht es darum, Zahnbehandlungen stärker zur Privatsache zu
machen. Übersetzt heißt das: Mehr selbst zahlen. Wer es sich leisten kann, bekommt alles. Wer wenig Geld hat, muss verzichten.
Das ist keine beschlossene Politik. Noch nicht. Aber es sind Ideen, die öffentlich diskutiert werden – und genau deshalb ernst genommen werden müssen.
Wer solche Vorschläge macht
Die Forderungen kommen nicht von Menschen, die jeden Monat rechnen müssen. Sie stammen aus wirtschaftsnahen Kreisen, aus Gremien, in denen Einkommen und sichere Jobs eher die Regel als die Ausnahme sind. Dort wird über Zahlen gesprochen, nicht über Alltag.
Der Alltag sieht anders aus. Viele Menschen drehen jeden Euro zweimal um. Miete, Strom, Lebensmittel – alles wird teurer. Rücklagen gibt es kaum noch. Gleichzeitig wächst die Armut. Menschen hungern. Menschen leben ohne festen Wohnsitz. Perspektiven gehen verloren.
In dieser Situation darüber zu sprechen, ausgerechnet bei Gesundheit zu streichen, wirkt für viele wie ein Schlag ins Gesicht.
Zahnarzt nur noch für die, die zahlen können?
Besonders brisant ist die Debatte um Zahnarztkosten. Schon heute müssen viele gesetzlich Versicherte tief in die eigene Tasche greifen. Kronen, Brücken, Implantate – oft bleiben hohe Rechnungen hängen.
Nun wird darüber nachgedacht, Zahnbehandlungen noch stärker aus der gemeinsamen Finanzierung herauszunehmen. Die Folge wäre klar: Gute Zähne werden zur Geldfrage.
Wer wenig verdient, schiebt Behandlungen auf. Wer gar kein Geld hat, geht nicht mehr. Schmerzen werden ertragen, Entzündungen verschleppt. Das ist keine Theorie, das ist Alltag in Ländern, in denen Gesundheit vom Geld abhängt.
Gesundheit ist kein Sparposten
Gesundheit lässt sich nicht aufrechnen wie ein Haushaltsposten. Wer heute spart, zahlt morgen doppelt – mit schwereren Krankheiten, längeren Ausfällen und mehr Leid.
Deutschland war lange ein Land, auf das andere geschaut haben. Ein Gesundheitssystem, das auffängt. Das nicht fragt, ob jemand reich oder arm ist. Dieses Prinzip schleichend aufzugeben, ist kein kleiner Umbau. Es ist ein Kurswechsel.
Viele Menschen empfinden das als Abstieg. Nicht wirtschaftlich, sondern menschlich.
Und der Koalitionspartner?
Auffällig ist die Zurückhaltung des Koalitionspartners, der das Wort „sozial“ im Namen trägt. Klare Gegenwehr bleibt aus. Öffentliche Empörung ebenso.
Natürlich ist Politik kompliziert. Koalitionen bedeuten Kompromisse. Aber wenn grundlegende Fragen berührt werden – wer behandelt wird und wer nicht – reicht Schweigen nicht aus.
Die Frage stellt sich zwangsläufig: Geht es noch um Inhalte oder vor allem um Machterhalt?chte Zähne
Eine Entwicklung mit Signalwirkung
Was hier diskutiert wird, betrifft nicht nur Zahnärzte. Es geht um eine Richtung. Um die Frage, ob Solidarität weiter zählt oder ob sich jeder selbst durchschlagen muss.
Wenn Gesundheit Stück für Stück vom Geld abhängt, verändert das eine Gesellschaft. Vertrauen geht verloren. Angst wächst. Und am Ende zahlen alle – nur nicht gleichzeitig.
Noch ist nichts beschlossen. Aber was öffentlich gedacht und gesagt wird, bereitet Entscheidungen vor. Deshalb ist Widerspruch wichtig. Nicht laut, nicht schrill, sondern klar.
Gesundheit ist kein Extra. Sie ist die Grundlage dafür, dass Menschen überhaupt funktionieren können. Wer daran rüttelt, rüttelt am Kern des sozialen Zusammenhalts.

