Laut gegen RechtsPolitikSoziale Gerechtigkeit

„Sozialabbau schwächt Haushalte – frisst Demokratie“

Sozialabbau schwächt  nicht nur Haushalte. Er vernichtet Demokratien.

Studien ergeben: die soziale Sicherheit sinkt und  der Zulauf zu extremen Parteien wächst.
Politische Verantwortung wird zur Kostenfrage. Vertrauen geht verloren.
Historische Parallelen zur Weimarer Republik sind keine Dramatisierung mehr, sondern Warnsignal. Wer soziale Stabilität opfert, spielt mit der politischen Ordnung.

Wenn der Sozialstaat schrumpft, wächst der Extremismus

Die aktuelle politische Linie der Bundesregierung steht unter einem wachsenden Spannungsdruck. Haushaltsdisziplin, Kürzungsdebatten und die schrittweise Verschiebung sozialer Risiken auf Einzelne werden als notwendig beschrieben. Als alternativlos. Als ökonomisch vernünftig.
Diese Argumentation ist nicht neu. Neu ist jedoch die historische Lage, in der sie wieder dominiert. Denn die Forschung zeigt seit Jahren einen klaren Zusammenhang: Wenn soziale Sicherungssysteme geschwächt werden, steigt die politische Anfälligkeit für rechte und autoritäre Bewegungen. Nicht automatisch. Aber signifikant.
Das ist kein Alarmismus. Das ist belegbar.

Was die Forschung seit Jahren feststellt.

Internationale und deutsche Studien kommen zu einem übereinstimmenden Befund. Wirtschaftliche Unsicherheit, gefühlter sozialer Abstieg und der Eindruck politischer Gleichgültigkeit gegenüber den alltäglichen Lebensrisiken, erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen sich von demokratischen Parteien abwenden. Besonders empfänglich werden Angebote, die einfache Antworten liefern und klare Schuldzuweisungen formulieren. (Bürgergeld, Migranten, Kranke, Alte Menschen, Sozialstaat)
Untersuchungen aus der Wahlforschung zeigen, dass nicht nur objektive Armut relevant ist. Entscheidend ist die Wahrnehmung von Unsicherheit. Wer das Gefühl hat, im grayscale photo of city buildingsKrankheitsfall, bei Arbeitslosigkeit oder im Alter nicht mehr ausreichend geschützt zu sein, verliert Vertrauen. In Institutionen. In Politik. In Demokratie.
Dieser Zusammenhang wurde für Deutschland unter anderem in regionalen Analysen bestätigt. Wahlkreise mit höherer sozialer Belastung, stärkerem Strukturwandel oder sinkender sozialer Infrastruktur zeigen überdurchschnittliche Stimmenanteile für rechtspopulistische Parteien.
Das ist kein Zufall. Es ist ein Muster.

Der politischer Brandbeschleuniger

Sozialabbau bedeutet nicht nur weniger Geld. Er bedeutet mehr Angst. Mehr Konkurrenz. Mehr Vereinzelung. Wenn Leistungen gekürzt, Eigenanteile erhöht oder Sicherungssysteme ausgedünnt werden, verändert sich das gesellschaftliche Klima. Solidarität wird ersetzt durch Misstrauen. Kooperation durch Abgrenzung.
In dieser Atmosphäre gedeihen politische Narrative, die klare Feindbilder anbieten. Die behaupten, jemand anderes sei schuld. Die versprechen Ordnung, Stärke und Durchsetzung. Das ist der Nährboden, auf dem rechte Parteien, wie die AFD, wachsen.
Die Forschung spricht hier von politischer Radikalisierung durch ökonomische Unsicherheit. Nicht als Naturgesetz, sondern als strukturelles Risiko.

Der historische Vergleich ist unbequem – aber notwendig

Die Weimarer Republik scheiterte nicht allein an Extremisten. Sie scheiterte an einer Kombination aus wirtschaftlicher Not, sozialem Abbau und politischer Entfremdung. Nach der Weltwirtschaftskrise wurden Sozialleistungen gekürzt, Löhne gedrückt, Arbeitslosigkeit verwaltet statt bekämpft. Große Teile der Bevölkerung fühlten sich alleingelassen.

ADN-ZB/Archiv
Deutschland
Berlin: Wohltätigkeitsspeisung armer Leute durch die evangelische Kirchengemeinde
In Berlin Niederschönhausen werden durch die evangelische Kirchengemeinde arme Leute gespeist. Die Reichswehr hat eine Goulaschkanone und 2 Mann zur Verfügung gestellt. Die Kosten der Speisung bringt die Kirchengemeinde durch freiwillige Spenden auf. Jedes Mitglied zahlt pro Tag 10 Pfennige vorläufig für die Dauer von 3 Monaten.
(Aufnahme: 1931)
5417-31

Das Vertrauen in demokratische Institutionen erodierte. Autoritäre Lösungen gewannen an Attraktivität. Nicht, weil sie besser waren, sondern weil sie einfacher erschienen.
Der Vergleich zur Gegenwart ist keine Gleichsetzung. Aber er ist eine Warnung. Demokratie zerbricht selten plötzlich. Sie erodiert.

Politische Verantwortung in der Gegenwart

Wenn heute erneut über Kürzungen bei sozialen Sicherungssystemen diskutiert wird, geschieht das in einem politisch aufgeheizten Umfeld. Vertrauen in staatliche Institutionen ist bereits geschwächt. Polarisierung nimmt zu. Rechte Parteien normalisieren sich im parlamentarischen Raum.
In dieser Situation soziale Sicherheit weiter zu reduzieren, ist kein neutraler Haushaltsakt. Es ist eine politische Entscheidung mit gesellschaftlichen Folgen.
Die Bundesregierung steht damit nicht nur vor einer finanziellen, sondern vor einer demokratischen Verantwortung.

Was Studien konkret zeigen

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung und andere Forschungsstellen haben in den vergangenen Jahren wiederholt darauf hingewiesen, dass wachsende Ungleichheit und soziale Unsicherheit politische Spaltung vertiefen. Internationale Studien aus den USA und Europa bestätigen diesen Befund.
Eine viel zitierte Untersuchung von Otto und Cornelis zeigt, dass wirtschaftliche Unsicherheit ein zentraler Treiber für Unterstützung radikaler rechter Parteien ist. Weitere Analysen im Journal of Common Market Studies und in Social Science Quarterly kommen zu ähnlichen Ergebnissen.
Diese Forschungslage ist stabil. Sie wird politisch oft ignoriert.

Warum Kürzungen Vertrauen zerstören

Soziale Sicherungssysteme sind mehr als Verwaltungsinstrumente. Sie sind Vertrauensanker. Sie signalisieren, dass eine Gesellschaft ihre Mitglieder nicht fallen lässt. Wird dieses Versprechen aufgeweicht, entsteht ein Vakuum. In dieses Vakuum stoßen politische Kräfte, die Zugehörigkeit gegen Ausgrenzung tauschen.
Rechte Parteien profitieren nicht primär von Hass. Sie profitieren von Enttäuschung.

Die Verantwortung der Politik

Politik kann diese Entwicklung bremsen. Oder beschleunigen. Sozialstaatlicher Rückbau mag kurzfristig Haushaltszahlen verbessern. Langfristig untergräbt er jedoch das Fundament demokratischer Stabilität.
Die Geschichte zeigt, dass Demokratien nicht an zu viel Sozialstaat scheitern. Sie scheitern an sozialer Kälte.

Text des Artikels 1 des Grundgesetzes, der die Würde des Menschen behandelt.
Artikel 1 des Grundgesetzes, der die Menschenwürde thematisiert.

Die Parallelen zur Weimarer Republik liegen nicht in den Details, sondern in den Mechanismen. Soziale Unsicherheit, politische Entfremdung und der Aufstieg autoritärer Angebote bilden ein gefährliches Dreieck. Wer diese Zusammenhänge ignoriert, handelt fahrlässig.
Die derzeitige Bundesregierung steht an einem Punkt, an dem Entscheidungen über soziale Sicherung nicht nur ökonomische, sondern demokratische Folgen haben. Das ist keine Panikmache. Das ist historische Erfahrung, gestützt durch Forschung.
Demokratie braucht soziale Stabilität. Ohne sie wird sie angreifbar.

Fundstellen / weiterführende Hinweise

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW):
https://www.diw.de
Otto, Cornelis (2017): Economic insecurity and support for the radical right in European democracies
Journal of Common Market Studies:
https://onlinelibrary.wiley.com
Social Science Quarterly:
https://onlinelibrary.wiley.com

Wir müssen das Ruder sofort herum reissen, bevor sich Geschichte wiederholt.

Nach christlichem Verständnis sind Mensch, Natur und Umwelt Schöpfung Gottes“, heißt es im CDU-Grundsatzprogramm aus dem Jahr 2007.[9] Gott habe den Menschen nach seinem Bilde geschaffen, woraus sich die Würde des Menschen als schützenswertes Gut ableite.[10] Die natürliche Umwelt wird als Schöpfung angesehen, über die der Mensch nicht frei verfügen dürfe, sondern die ihm von Gott zur Bewahrung anvertraut worden sei.[11]

https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich_Demokratische_Union_Deutschlands

 

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