Pranger

…und willst du nicht mein Bruder sein

Stehen wir vor einem Krieg um Ressourcen?

Öl in Venezuela, seltene Erden in Grönland, geopolitische Machtspiele der Großmächte. Vieles deutet darauf hin, dass wirtschaftliche Ressourcen wieder zum zentralen Konfliktfaktor werden. Die Frage ist nicht mehr, ob – sondern wie Europa reagiert.Globale Konflikte werden zunehmend mit wirtschaftlichen Interessen begründet. Öl, Gas, seltene Erden und strategische Transportwege stehen im Zentrum geopolitischer Entscheidungen. Militärische Drohungen, Sanktionen und Machtprojektion nehmen zu. Gleichzeitig wirkt Europa zögerlich. Die entscheidende Frage lautet: Wie nah ist die Welt an einem offenen Ressourcenkrieg – und was bedeutet das konkret für Deutschland und die Europäische Union?

Rohstoffe als Machtfaktor – keine neue Entwicklung, aber neue Schärfe
Rohstoffe waren immer ein Treiber internationaler Politik. Neu ist jedoch die Kombination aus drei Faktoren: steigender globaler Bedarf, begrenzter Zugang und geopolitischer Konkurrenz zwischen Großmächten. Öl bleibt zentral für Energie und Industrie. Seltene Erden sind unverzichtbar für Digitalisierung, Rüstung, Elektromobilität und erneuerbare Energien.
Venezuela verfügt über die größten nachgewiesenen Ölreserven der Welt. Gleichzeitig ist das Land politisch instabil, wirtschaftlich geschwächt und stark von externen Akteuren beeinflusst. Grönland wiederum besitzt große, bislang kaum erschlossene Vorkommen an kritischen Rohstoffen, darunter seltene Erden. Diese liegen außerhalb Chinas, das den Weltmarkt bisher dominiert. Damit werden diese Regionen strategisch hoch relevant.

 Die USA, Trump und die Frage nach den wahren Treibern
Die Politik der USA unter Donald Trump hat wirtschaftliche Interessen offen priorisiert. Rohstoffe, Handelsbilanz, nationale Versorgungssicherheit standen im Mittelpunkt. Aussagen zu Grönland oder harte Maßnahmen gegenüber Venezuela wurden nicht diplomatisch verpackt, sondern direkt formuliert.
Hier stellt sich eine zentrale Frage: Handelt es sich um eine persönliche Agenda Trumps oder um eine längerfristige Strategie US-amerikanischer Machteliten? Viele Analysten gehen davon aus, dass wirtschaftliche und sicherheitspolitische Strategen seit Jahren vor einer Abhängigkeit von China bei kritischen Rohstoffen warnen. In dieser Lesart wäre Trump weniger der Architekt als vielmehr das ausführende Instrument einer aggressiveren Interessenpolitik.
Gleichzeitig gilt Trump als impulsiv und leicht beeinflussbar. Die Gefahr besteht darin, dass komplexe geopolitische Risiken auf einfache wirtschaftliche Narrative reduziert werden. Das erhöht die Eskalationswahrscheinlichkeit.

Warum China und Russland meist ausgeklammert werden
China und Russland verfügen selbst über enorme Rohstoffvorkommen und militärische Stärke. Ein direkter Konflikt mit ihnen würde unweigerlich das Risiko einer globalen Eskalation bergen. Deshalb konzentrieren sich Machtverschiebungen oft auf Regionen, die politisch schwächer sind oder formell nicht unter dem Schutz gleichwertiger Militärbündnisse stehen.
Venezuela und Grönland passen in dieses Muster. Venezuela ist international isoliert. Grönland ist zwar Teil des Königreichs Dänemark, aber geopolitisch exponiert und wirtschaftlich abhängig. Diese Konstellationen senken aus Sicht aggressiver Strategen die Hemmschwelle für Druck, Einflussnahme oder Eskalation.

Europa zwischen Abhängigkeit und politischer Lähmung
Europa ist tief in diese Dynamik verstrickt. Die EU ist auf Rohstoffimporte angewiesen, insbesondere bei Energie und kritischen Mineralien. Gleichzeitig fehlt es an einer einheitlichen Außen- und Sicherheitspolitik. Nationale Interessen dominieren häufig über gemeinsame Strategien.
Deutschland nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein. Als größte Volkswirtschaft Europas ist es sowohl abhängig von stabilen Lieferketten als auch politisch zurückhaltend. Öffentliche Mahnungen, diplomatische Appelle und zögerliche Positionierungen prägen das Bild. Kritiker sehen darin mangelnde Führungsbereitschaft. Befürworter argumentieren mit historischer Verantwortung und Eskalationsvermeidung.
Die Frage bleibt offen, ob diese Zurückhaltung noch zeitgemäß ist, wenn wirtschaftliche Macht zunehmend militärisch abgesichert wird.

Wie nah ist die Welt tatsächlich an einem Krieg?
Ein direkter globaler Krieg ausschließlich um Rohstoffe ist weiterhin unwahrscheinlich. Zu hoch wären die Risiken für alle beteiligten Großmächte. Wahrscheinlicher sind begrenzte Konflikte, Stellvertreterkriege, wirtschaftlicher Zwang, Sanktionen und militärische Drohkulissen.
Dennoch steigt die Gefahr von Fehlkalkulationen. Wenn wirtschaftliche Interessen als nationale Sicherheitsfragen definiert werden, sinkt die Schwelle für militärisches Handeln. Diese Entwicklung ist bereits sichtbar. Was Deutschland und die EU eigentlich tun müssten
Aus analytischer Sicht ergeben sich mehrere Handlungsoptionen:
Erstens: eine echte europäische Rohstoffstrategie. Dazu gehören Diversifizierung, eigene Förderung, Recycling und strategische Reserven.
Zweitens: außenpolitische Geschlossenheit. Uneinheitliche Signale schwächen die Verhandlungsposition Europas gegenüber den USA, China und anderen Akteuren.
Drittens: klare Grenzen gegenüber Verbündeten. Partnerschaft bedeutet nicht bedingungslose Gefolgschaft. Europa muss eigene Interessen definieren und vertreten.
Viertens: Investitionen in Diplomatie und Krisenprävention. Militärische Abschreckung allein reicht nicht aus, um Ressourcenkonflikte langfristig zu vermeiden.

 Rohstoffe gewinnen erneut zentrale geopolitische Bedeutung
– Öl und seltene Erden sind strategische Schlüsselressourcen
– US-Politik priorisiert wirtschaftliche Interessen zunehmend offen
– Europa ist betroffen, aber politisch zögerlich
– Die Eskalationsgefahr steigt, auch ohne offenen Weltkrieg

Abschlusssatz
Die Frage ist nicht, ob Rohstoffe geopolitische Konflikte verschärfen, sondern ob politische Akteure rechtzeitig lernen, damit verantwortungsvoll umzugehen.

 

https://www.deutschlandfunk.de/gold-gas-und-viel-mehr-das-rennen-um-groenlands-100.html

 

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