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Wie christlich sind die Christlichen?

Die CDU will es also wieder versuchen:
Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft sollen künftig nicht mehr den Mindestlohn bekommen.

Die Begründung:
Sie arbeiten ja „nur“ in Spitzenzeiten.
Und sie kommen oft aus dem Ausland, wo niedrigere Löhne üblich seien – also würde selbst ein Lohn unter dem deutschen Mindestlohn für sie noch „profitieren“.

Mit anderen Worten:
Gleiche Arbeit, aber weniger Lohn – weil es sich angeblich trotzdem lohnt.

Das ist schon bemerkenswert.
Erst wird jahrelang betont, wie wichtig diese Menschen für unsere Ernte sind. Und wenn es ums Bezahlen geht, heißt es plötzlich: keine Vollerwerbstätigkeit, andere Standards, andere Maßstäbe.

Der Bauernverband argumentiert seit Langem mit Wettbewerbsfähigkeit. Produkte seien sonst zu teuer.
Die SPD hält dagegen und sagt: Arbeit muss armutsfest bezahlt werden – egal ob jemand drei Monate oder zwölf Monate arbeitet.

Der Mindestlohn liegt aktuell bei 13,90 Euro, nächstes Jahr sollen es 14,60 Euro werden.
Statt darüber zu reden, wie Landwirtschaft fair finanziert werden kann, wird wieder dort angesetzt, wo Menschen am wenigsten Möglichkeiten haben, sich zu wehren.

Man kann über Preise, Subventionen und Strukturen reden.
Aber die Lösung kann nicht sein, den Mindestlohn ausgerechnet für diejenigen auszuhöhlen, die unsere Felder bestellen und unsere Ernte sichern.

Das ist keine Frage von Ideologie.
Das ist eine Frage von Fairness.

Und ja, man darf das auch beim Namen nennen:
Eine Partei, die das „C“ für christlich im Namen trägt, sollte sehr genau hinschauen, was sie tut – nicht nur, was sie behauptet.

Die Idee, Menschen unterschiedlich zu bezahlen, weil sie „nur saisonal arbeiten“ oder aus ärmeren Ländern kommen, hat mit christlichen Werten wenig zu tun. Nächstenliebe, Würde des Menschen, Gleichheit – das sind keine Fußnoten.

Historisch betrachtet ist das leider keine neue Linie. In guter Tradition früherer Zeiten haben sich Christen immer wieder eingeredet, Ausbeutung sei moralisch vertretbar:
Menschen wurden versklavt, bestraft, verstümmelt oder sogar getötet – oft mit religiöser Rechtfertigung und dem Hinweis, man handle ja im „richtigen“ Rahmen.

Heute heißt es nicht mehr Sklaverei, heute heißt es Wettbewerbsfähigkeit.
Das Muster bleibt: wirtschaftlicher Nutzen schlägt Menschenwürde, solange man es sauber begründet.

Christliche Werte zeigen sich nicht im Parteinamen.
Sie zeigen sich darin, wie man mit den Schwächsten umgeht.

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