Feuerwerk
Silvesterfeuerwerk: Ein paar Minuten Vergnügen – und andere müssen die Folgen tragen
Raketen, Böller und Explosionen. Für manche gehört das zum Jahreswechsel. Für andere beginnt damit eine Nacht voller Angst. Hunde und Katzen verstecken sich, Pferde geraten in Panik, Nutztiere werden aufgeschreckt. Menschen werden verletzt, die Luft mit Feinstaub belastet und am nächsten Morgen bleiben Straßen und Grünflächen voller Müll.Dabei gibt es längst Alternativen. Die Niederlande haben das private Verbraucherfeuerwerk inzwischen grundsätzlich verboten. Und auch in Deutschland zeigen Drohnenshows, dass ein spektakulärer Jahreswechsel ohne Schwarzpulver möglich ist.
Grefrath wirbt mit „Grefrath kann Klima“. Dann sollte die Gemeinde auch den Mut haben, eine liebgewonnene Tradition zu hinterfragen.
Silvester darf gefeiert werden. Aber muss dafür jedes Jahr die Rücksicht auf Mensch, Tier und Umwelt auf der Strecke bleiben?
Ein paar Minuten Vergnügen – und andere müssen die Folgen tragen
Es ist jedes Jahr dasselbe Schauspiel. Schon Tage vor Silvester wird vereinzelt geböllert. Am Abend des 31. Dezember nimmt der Lärm zu, und um Mitternacht scheint es für manche kein Halten mehr zu geben. Raketen steigen auf, Batterien werden gezündet und Böller explodieren zwischen Wohnhäusern, auf Straßen und öffentlichen Plätzen.

Für viele ist das ein Stück Tradition. Ein schöner Anblick, ein bisschen Aufregung und der Wunsch, das neue Jahr laut und spektakulär zu begrüßen.Doch während sich die einen über den bunten Himmel freuen, beginnt für andere eine Nacht, die sie am liebsten aus dem Kalender streichen würden. Menschen mit Atemwegserkrankungen müssen eine erhebliche Feinstaubbelastung hinnehmen. Tiere geraten in Angst und Panik. Feuerwehr und Rettungsdienste müssen sich auf zusätzliche Einsätze einstellen. Und am nächsten Morgen zeigt sich auf Straßen, Wegen und Grünflächen, was von der privaten Knallerei übrig geblieben ist.
Das alles ist seit Jahren bekannt. Trotzdem wird die Diskussion häufig auf die Frage reduziert, ob man den Menschen ihre Silvestertradition nehmen dürfe.Vielleicht sollte man einmal andersherum fragen: Warum wird eigentlich so selbstverständlich vorausgesetzt, dass alle anderen die Folgen dieser Tradition hinnehmen müssen?
Die Luft wird innerhalb weniger Stunden massiv belastet
Das Umweltbundesamt beziffert die jährliche Feinstaubbelastung durch Feuerwerk in Deutschland auf rund 2.050 Tonnen PM10. Davon entfallen etwa 1.700 Tonnen auf besonders feine PM2,5-Partikel. Rund drei Viertel dieser Emissionen entstehen in der Silvesternacht.Das entspricht zwar nur ungefähr einem Prozent der gesamten jährlichen PM10-Emissionen in Deutschland. Diese Zahl darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Belastung in wenigen Stunden konzentriert auftritt. Am Neujahrstag ist die Feinstaubbelastung an vielen Messstationen so hoch wie sonst kaum im gesamten Jahr.

Besonders problematisch ist die Situation bei windschwachem Wetter. Dann können sich die Schadstoffe in den unteren Luftschichten anreichern und über viele Stunden bestehen bleiben.Für Menschen mit Atemwegserkrankungen ist das keine Kleinigkeit. Gerade ältere Menschen und Personen mit empfindlichen Atemwegen können unter der zusätzlichen Belastung leiden.Es geht dabei nicht darum, Feuerwerk als Hauptursache der Luftverschmutzung darzustellen. Das wäre falsch. Es geht um eine vermeidbare Belastung, die jedes Jahr wiederkehrt und deren Nutzen sich auf wenige Minuten Unterhaltung beschränkt.
Die eigentlichen Leidtragenden können sich nicht wehren
Besonders wenig Beachtung findet in der öffentlichen Diskussion das Leid der Tiere. Hunde und Katzen verstehen nicht, warum plötzlich überall Explosionen zu hören sind. Sie können die Geräusche nicht einordnen und auch nicht wissen, wann sie wieder aufhören. Manche verstecken sich stundenlang, zittern, hecheln oder versuchen in ihrer Panik zu fliehen.
Noch problematischer kann es bei Pferden und landwirtschaftlich gehaltenen Tieren werden. Ein Pferd auf einer Weide oder im Stall kann durch einen plötzlichen Knall erschrecken und in Panik geraten. Es kann Zäune durchbrechen, sich verletzen oder andere Tiere mitreißen. Auch Rinder, Schafe, Schweine und Geflügel können auf die ungewohnte Geräuschkulisse mit erheblichen Stressreaktionen reagieren. Gerade für Grefrath ist das ein wichtiges Thema. Unsere Gemeinde ist ländlich geprägt. Es gibt landwirtschaftliche Betriebe, Pferdehaltungen, Weiden, Ställe und zahlreiche private Tierhalter. Die Tiere leben nicht irgendwo weit entfernt von den Wohngebieten. Sie gehören zum unmittelbaren Umfeld unserer Ortschaften.
Wer in einer solchen Umgebung Feuerwerk zündet, kann kaum wissen, welche Tiere in der näheren Umgebung davon betroffen sind.
Auch Wildtiere bleiben nicht verschont. Plötzlicher Lärm und grelle Lichtblitze können Vögel aus ihren Schlafplätzen aufscheuchen. Sie fliegen in Panik auf, verlieren möglicherweise die Orientierung und verbrauchen in der kalten Jahreszeit wertvolle Energie. Andere Wildtiere werden aus ihren Rückzugsgebieten vertrieben. Man muss kein ausgesprochener Tierfreund sein, um darin ein Problem zu erkennen. Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass die vermeidbare Angst und Gefährdung von Tieren nicht einfach als Kollateralschaden einer privaten Feier hingenommen wird.
Warum muss ein Tier Angst und Stress ertragen, nur damit ein Mensch seinen Böller zünden kann?
Verletzungen, Einsätze und Müll – die Allgemeinheit trägt mit
Die gesundheitlichen Gefahren sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. Verbrennungen, schwere Handverletzungen, abgerissene Finger, Augenverletzungen und bleibende Hörschäden gehören zu den Folgen unsachgemäßen oder unkontrollierten Umgangs mit Feuerwerkskörpern. Dabei trifft es nicht ausschließlich diejenigen, die selbst Raketen oder Böller zünden. Auch unbeteiligte Passanten können von fehlgeleiteten Raketen, umstürzenden Batterien oder herumfliegenden Teilen getroffen werden.

Hinzu kommen Brände und Sachschäden. Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei müssen sich mit zusätzlichen Einsätzen beschäftigen, während andere Menschen möglicherweise ebenfalls dringend Hilfe benötigen. Und am nächsten Morgen? Dann liegen die Überreste der privaten Feuerwerke auf Straßen, Gehwegen, Parkplätzen und Grünflächen. Karton, Kunststoff, Verpackungen und nicht vollständig abgebrannte Feuerwerkskörper müssen beseitigt werden. Auch diese Arbeit und die damit verbundenen Kosten verschwinden nicht einfach. Sie werden von der Allgemeinheit mitgetragen. Wer sein privates Feuerwerk veranstaltet, sollte deshalb nicht nur an den Moment des Zündens denken, sondern auch an die Folgen, die andere anschließend beseitigen müssen.
„Grefrath kann Klima“ – ein schöner Anspruch, der auch Konsequenzen haben sollte
Die Gemeinde Grefrath und der Rat haben sich mit „Grefrath kann Klima“ einen gemeinsamen Anspruch gegeben. Das ist grundsätzlich zu begrüßen. Klimaschutz und ein verantwortungsvoller Umgang mit unserer Umwelt gehören zu den Aufgaben, denen sich eine Kommune stellen muss. Aber ein solcher Anspruch darf nicht nur dann gelten, wenn es um Photovoltaik, Energieeinsparung, Bäume oder Förderprogramme geht.

Auch vermeidbare Umweltbelastungen gehören auf den Prüfstand. Dazu zählen die extreme kurzfristige Feinstaubbelastung, der Lärm, die Feuerwerksreste und die Auswirkungen auf Tiere und Natur. Natürlich ist privates Silvesterfeuerwerk nicht der entscheidende Faktor für den Klimawandel. Das wäre eine falsche Behauptung. Aber Umwelt- und Klimaschutz bestehen nicht allein aus der Reduzierung von CO₂. Saubere Luft, weniger Abfall, der Schutz der Artenvielfalt und Rücksicht auf den Lebensraum gehören ebenfalls dazu.
Deshalb darf man die Gemeinde durchaus beim eigenen Anspruch nehmen. Wer „Grefrath kann Klima“ auf die Fahne schreibt, sollte auch bereit sein, über eine Tradition zu sprechen, deren negative Folgen seit Jahren bekannt sind. Es reicht nicht, Umweltbewusstsein zu beschwören und gleichzeitig bei vermeidbaren Belastungen wegzuschauen.
Die Niederlande machen vor, dass es auch anders geht
Wer behauptet, ein weitgehender Verzicht auf privates Feuerwerk sei nicht umsetzbar, sollte einmal über die deutsche Grenze schauen.
In den Niederlanden gilt seit dem 1. August 2026 ein landesweites Verbot für privates Verbraucherfeuerwerk der Kategorien F2 und F3. Raketen, größere Feuerwerksbatterien und klassische Böller dürfen von Privatpersonen grundsätzlich nicht mehr gekauft, besessen oder gezündet werden. Ausnahmen sind unter bestimmten Voraussetzungen für örtliche Vereine und Stiftungen möglich, die gemeinschaftlich organisierte Veranstaltungen durchführen. Das ist ein bemerkenswertes Modell. Nicht das gemeinsame Feiern wird abgeschafft. Vielmehr wird das private, unkontrollierte Abbrennen durch organisierte und genehmigte Veranstaltungen ersetzt. Die niederländische Regelung zeigt, dass man sich von einer alten Silvestertradition verabschieden kann, ohne den Jahreswechsel seiner Bedeutung zu berauben.
Auch deutsche Städte haben längst Feuerwerksverbotszonen eingerichtet. In Lüneburg beispielsweise gelten Einschränkungen für besonders schutzwürdige Bereiche. Dort hat man außerdem mit einer Drohnenshow gezeigt, wie ein anderer Jahreswechsel aussehen kann.
Das sind keine Gedankenspiele mehr. Es gibt praktische Beispiele.
Es geht auch ohne Schwarzpulver
Wer bei Silvester ausschließlich an Raketen und Böller denkt, übersieht, was technisch inzwischen möglich ist.
Laser- und Lichtshows, großflächige Projektionen und Drohnenshows können einen Himmel auf ganz andere Weise zum Leuchten bringen. Dazu Musik, ein gemeinsamer Countdown und Menschen, die zusammen den Jahreswechsel erleben. Ein besonders interessantes Beispiel kommt aus Nordrhein-Westfalen. Bei der Gemener Kirmes im August 2026 ersetzten 150 Drohnen das traditionelle Feuerwerk. Rund 2.500 Besucher verfolgten die etwa zehnminütige Show. Die Drohnen bildeten unter anderem Motive aus der Ortsgeschichte und die Burg Gemen ab.

Das ist für Grefrath durchaus interessant. Gemen ist keine Millionenstadt, sondern ein ländlich geprägter Ort. Dort hat man gezeigt, dass eine solche Veranstaltung auch außerhalb großer Städte auf Interesse stoßen kann. Warum sollte das nicht auch bei uns möglich sein? Eine Drohnenshow könnte Grefrather Motive aufgreifen. Die Burg Uda, die Niers, die Geschichte von Oedt und die Besonderheiten unserer Gemeinde könnten Teil einer solchen Veranstaltung werden. Ergänzt durch Musik und einen gemeinsamen Countdown wäre das eine ganz eigene Form des Jahreswechsels. Auch Laser- und Lichtshows bieten Möglichkeiten. Allerdings muss man ehrlich bleiben: Drohnen verursachen ebenfalls Geräusche, und auch intensive Lichtinstallationen sind nicht automatisch unbedenklich für Tiere. Standort, Dauer, Flugbereich und Lichtintensität müssten deshalb sorgfältig geplant werden.
Der entscheidende Unterschied zum privaten Feuerwerk liegt in der Planbarkeit. Eine zentrale Veranstaltung kann zeitlich begrenzt, räumlich festgelegt und auf die örtlichen Gegebenheiten abgestimmt werden.
Warum nicht auch in Grefrath?
Ich halte es für an der Zeit, dass sich die Gemeinde Grefrath mit dieser Frage ernsthaft beschäftigt. Es geht nicht darum, den Menschen das Feiern zu verbieten. Es geht darum, die bisherige Praxis zu verändern und die Interessen derjenigen zu berücksichtigen, die unter dem privaten Feuerwerk leiden.
Ein denkbares Modell wäre, privates Silvesterfeuerwerk im gesamten Gemeindegebiet so weit wie rechtlich möglich einzuschränken und stattdessen eine zentrale Veranstaltung anzubieten. Als möglicher Standort könnte der alte Kirmesplatz beziehungsweise die Festplatzfläche im Bereich der Burg Uda in Oedt geprüft werden. Ob dieser Platz tatsächlich geeignet ist, muss die Verwaltung klären. Dabei wären insbesondere Brandschutz, Naturschutz, Denkmalschutz, Sicherheitsabstände und die Nähe zur Niers zu berücksichtigen. Es muss auch nicht zwangsläufig ein pyrotechnisches Feuerwerk sein. Eine Drohnen-, Laser- oder Lichtshow wäre aus meiner Sicht sogar die bessere Lösung. Wer gemeinsam feiern möchte, könnte dies an einem festgelegten Ort tun. Wer den Jahreswechsel lieber ruhig verbringen möchte, hätte zumindest nicht mehr überall im Gemeindegebiet mit privaten Explosionen zu rechnen.
Allerdings sind die rechtlichen Möglichkeiten in Deutschland zu beachten. Anders als in den Niederlanden besteht hier weiterhin ein bundesrechtlich geregeltes Recht, zugelassenes Feuerwerk der Kategorie F2 am 31. Dezember und 1. Januar unter den gesetzlichen Voraussetzungen abzubrennen. Die kommunalen Möglichkeiten für weitergehende Verbote sind begrenzt. Die Gemeinde kann deshalb nicht einfach per Ratsbeschluss ein vollständiges Verbot aussprechen. Sie sollte aber prüfen, welche örtlichen Einschränkungen nach der Ersten Sprengstoffverordnung möglich sind und welche weitergehenden Änderungen auf Landes- oder Bundesebene notwendig wären. Dazu möchte ich eine Bürgeranregung an die Verwaltung der Gemeinde Grefrath richten und diese auch den Ratsfraktionen zur Kenntnis geben. Ziel soll sein, die Möglichkeiten einer weitgehenden Einschränkung privaten Feuerwerks zu prüfen und ein alternatives Silvesterkonzept für das gesamte Gemeindegebiet zu entwickeln.
Auch „Traditionen“ dürfen sich verändern

Es wird sicherlich Menschen geben, die sich gegen solche Überlegungen aussprechen. Feuerwerk gehöre nun einmal zu Silvester. Das sei schon immer so gewesen. Man lasse sich nicht alles verbieten. Aber seit wann ist etwas allein deshalb richtig, weil es schon lange gemacht wird? Traditionen sind nicht unveränderlich. Sie müssen sich auch daran messen lassen, welche Folgen sie für andere haben.Und wenn es inzwischen bessere Möglichkeiten gibt, gemeinsam zu feiern, sollte man sie wenigstens ernsthaft prüfen.
Es geht nicht um einen Kampf zwischen Feuerwerksfreunden und Feuerwerksgegnern. Es geht um Rücksicht und Verantwortung. Rücksicht auf Menschen, die unter Lärm und Feinstaub leiden. Rücksicht auf Haustiere, Pferde und Nutztiere. Rücksicht auf Wildtiere und Natur. Und auch Rücksicht auf diejenigen, die am Neujahrsmorgen die Hinterlassenschaften beseitigen müssen. Grefrath könnte hier einen eigenen Weg einschlagen. Nicht mit einem Verbot, das rechtlich möglicherweise gar nicht durchsetzbar ist, sondern mit einer ernsthaften Prüfung und einem überzeugenden Alternativkonzept. Ein gemeinsamer Jahreswechsel mit Musik, Licht und einer Drohnenshow wäre vielleicht sogar der Beginn einer neuen Tradition.
„Grefrath kann Klima“ sollte nicht nur ein Slogan sein. Es sollte auch bedeuten, dass wir bereit sind, unser eigenes Verhalten zu hinterfragen. Ein paar Minuten Vergnügen dürfen nicht wichtiger sein als die Gesundheit, die Sicherheit und das Wohlbefinden anderer Lebewesen. Silvester wird auch ohne Böller ein Jahreswechsel bleiben.
