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Belastung

Oedt ist kein Verkehrskorridor – hier leben Menschen

Wer in Oedt lebt, kennt das tägliche Bild auf unseren Straßen. Lastwagen, Autos und landwirtschaftliche Großfahrzeuge rollen durch den Ort. Besonders auf der Hochstraße, der Johannes-Girmes-Straße und der Süchtelner Straße gehört der Verkehr seit Jahren zum Alltag. Für viele Fahrer ist Oedt lediglich eine Strecke, die sie möglichst schnell hinter sich bringen wollen. Für uns, die hier wohnen, ist es unser Zuhause.

Die L391 und die L444 treffen in Oedt aufeinander. Beide Straßen haben ihre Bedeutung für die regionale Verkehrsverbindung. Doch die Belastung durch den Durchgangsverkehr ist seit Jahren ein Thema. Schon das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) der Gemeinde Grefrath beschreibt, dass die Straßen als Abkürzung zwischen den Autobahnen A40, A52 und A61 genutzt werden. Auch der Schwerlastverkehr und landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge werden ausdrücklich als Belastung genannt. Die zugrunde liegenden Verkehrszahlen stammen allerdings aus einer Erhebung von 2015. Was sich seitdem verändert hat, müsste dringend neu erfasst werden.

AG69793 (17.06.14, Motorvej 501, Viby J)DSC_2439_Balancer | Flickr https://www.flickr.com/photos/lavulv/24891618147

Jeden Tag, wenn sich der Verkehr durch Oedt schiebt und schwere Lastwagen durch unseren Ort rollen, frage ich mich: Warum müssen eigentlich so viele Fahrzeuge ausgerechnet durch Oedt fahren? Lohnt sich dieser Weg wirklich? Vergleicht man die möglichen Streckenführungen, sind die Zeitunterschiede offenbar nicht so groß, dass man den Menschen in Oedt diese tägliche Belastung einfach zumuten müsste. Andere Routen gibt es. Sie sollten endlich ernsthaft geprüft werden. Natürlich darf man das Problem nicht einfach in die Nachbarorte verlagern. Aber genauso wenig kann es die Lösung sein, dass Oedt weiterhin als bequeme Durchfahrt für möglichst viele Fahrzeuge dient.

Wer unmittelbar an einer der Hauptstraßen wohnt, weiß, was das bedeutet. Schwere Lastwagen sind nicht zu überhören. Beim Beschleunigen, Bremsen und Vorbeifahren entsteht Lärm, der sich nicht einfach ausblenden lässt. Im Sommer möchte man die Fenster öffnen, draußen sitzen oder den Feierabend genießen. Stattdessen hört man den Verkehr. Hinzu kommen die Abgase, die genau dort entstehen, wo Menschen wohnen, Kinder spielen und ältere Menschen ihre täglichen Wege erledigen. Wie hoch die tatsächliche Belastung ist, weiß niemand genau. Aktuelle Messungen und Verkehrszählungen wären längst überfällig.

Besonders aufmerksam muss man sein, wenn man sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad durch Oedt bewegt. Das Evangelische Altenzentrum an der Oststraße liegt ebenso im Ortsbereich wie der katholische Kindergarten St. Vitus. Am Schwarzen Graben befinden sich die Gemeinschaftsgrundschule und die DRK-Kita. Für ältere Menschen mit Rollatoren oder Rollstühlen sind sichere und ausreichend breite Gehwege Elderly man navigating a crosswalk in an electric wheelchair on a sunny urban street.unverzichtbar. Schon eine ungünstige Bordsteinkante oder ein schmaler Gehweg kann zum Hindernis werden. Wer mit einem Rollstuhl unterwegs ist, kann nicht einfach ausweichen, wenn es eng wird.

Auch für Kinder ist die Situation nicht einfach. Sie gehen zur Schule, zum Kindergarten, fahren mit dem Fahrrad oder sind mit ihren Rollern unterwegs. Kinder können Entfernungen und Geschwindigkeiten noch nicht so sicher einschätzen wie Erwachsene. Ein Lastwagen, der dicht an ihnen vorbeifährt, ist eine ganz andere Gefahr als ein vorbeifahrender Pkw. Eltern kennen diese Sorge. Man schaut lieber noch einmal hinterher, wartet, bis das Kind sicher angekommen ist, und hofft, dass nichts passiert.

Dabei möchte ich ausdrücklich weder die Fahrer von Lastwagen noch unsere Landwirte an den Pranger stellen. Waren müssen transportiert und Felder bestellt werden. Große landwirtschaftliche Maschinen gehören zu unserer Region und müssen ihre Ziele erreichen können. Sie brauchen allerdings Platz und haben gerade innerhalb enger Ortsdurchfahrten besondere Schwierigkeiten. Umso wichtiger ist eine Verkehrsplanung, die auch Fußgänger, Radfahrer und Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit berücksichtigt. Es darf nicht selbstverständlich sein, dass alle anderen Verkehrsteilnehmer sich irgendwie mit den großen Fahrzeugen arrangieren müssen.

Die Gemeinde Grefrath hat mit dem ISEK eine Grundlage geschaffen, um Oedt städtebaulich aufzuwerten. Gehwege werden erneuert, Straßenbereiche umgestaltet und öffentliche Flächen verbessert. Das ist grundsätzlich zu begrüßen. Aber ich frage mich schon, was eine schön gestaltete Ortsmitte wert ist, wenn sich an der täglichen Verkehrsbelastung kaum etwas ändert. Neue Pflastersteine, Bänke und Grünflächen machen einen Ort noch nicht lebenswert. Wer sich dort wegen des Verkehrs nicht gerne aufhält, wer beim Überqueren der Straße aufpassen muss und wer den Lärm direkt vor der Haustür hat, wird sich auch durch eine schönere Gestaltung nicht wirklich entlastet fühlen.

Aufenthaltsqualität bedeutet für mich, dass man sich gerne draußen aufhält, dass Kinder sicher unterwegs sein können, ältere Menschen ihre Wege ohne Angst erledigen und Anwohner auch einmal Ruhe genießen können. Dazu gehören vernünftige Gehwege und sichere Übergänge, aber eben auch weniger unnötiger Durchgangsverkehr. Das ISEK hat viele dieser Probleme bereits erkannt und beschrieben. Jetzt muss sich zeigen, ob aus den Erkenntnissen auch Konsequenzen gezogen werden.

Ich wünsche mir deshalb eine ernsthafte Prüfung der Verkehrsführung, der möglichen Alternativrouten und der Möglichkeiten, den nicht notwendigen Schwerlastverkehr aus Oedt herauszuhalten. Ebenso wichtig sind aktuelle Verkehrszählungen und Messungen der Lärm- und Abgasbelastung. Auch Tempo 30 an besonders sensiblen Stellen und sichere Querungsmöglichkeiten müssen weiter verfolgt werden. Anwohner, Lieferverkehr, Handwerker, Landwirtschaft und Rettungsdienste müssen selbstverständlich weiterhin ihre Ziele erreichen können. Aber es muss einen Unterschied machen, ob jemand nach Oedt möchte oder den Ort lediglich als Abkürzung benutzt.

Oedt ist kein Gewerbegebiet und keine Autobahnzufahrt. Hier leben Menschen. Hier wachsen Kinder auf, hier verbringen ältere Menschen ihren Lebensabend, hier wohnen Familien und hier möchten Menschen auch in Zukunft gerne leben. Das sollte bei allen Planungen für unseren Ort im Mittelpunkt stehen.

Wie wohltuend ist es da augenblicklich, dass der Lkw-Verkehr nach meiner persönlichen Einschätzung um mindestens 90 Prozent zurückgegangen ist und auch deutlich weniger Pkw durch Oedt fahren. Die Ruhe, die dadurch zumindest vorübergehend eingekehrt ist, zeigt mir jeden Tag, wie sehr wir uns inzwischen an den Verkehrslärm gewöhnt hatten. Und sie zeigt vor allem, wie viel Lebensqualität ein Ort zurückgewinnen kann, wenn die Straßen nicht ständig vom Durchgangsverkehr beherrscht werden.

Für die Bebilderung meiner Beiträge nutze ich unter anderem frei zugängliche Bilddatenbanken wie Pexels, Pixabay und Unsplash. Die jeweiligen Bildnachweise und Lizenzbedingungen werden bei den verwendeten Fotos berücksichtigt.

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