
Ergebnisse der Leipziger Autoritarismus Studie 2024
oedt/abs. Die Leipziger Autoritarismus Studie 2024, unter der Leitung von Prof. Dr. Oliver Decker und Prof. Dr. Elmar Brähler, zeigt eine besorgniserregende Entwicklung in Deutschland auf: ein deutlicher Anstieg von ausländerfeindlichen und antisemitischen Einstellungen sowie eine sinkende Zufriedenheit mit der Demokratie.
Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus: Deutlicher Anstieg im Westen Deutschlands
Während in Ostdeutschland seit 2002 Schwankungen in ausländerfeindlichen Einstellungen zu beobachten sind, ist die Zustimmung zu solchen Aussagen im Westen kontinuierlich zurückgegangen. Doch die aktuelle Studie zeigt, dass im Westen Deutschlands ein starkes Ansteigen dieser Ressentiments festzustellen ist. Der Anteil an Personen, die ein geschlossen ausländerfeindliches Weltbild vertreten, stieg von 12,6 % im Jahr 2022 auf 19,3 %. Besonders hoch sind diese Werte bei Wähler der AfD,

von denen 61 % solche Einstellungen vertreten.
Die antisemitischen Einstellungen im Westen, die von 13,8 % (2002) auf 3 % (2022) gefallen waren, zeigen 2024 wieder einen leichten Anstieg auf 4,6 %. Bemerkenswert ist auch, dass erstmals antizionistische und postkoloniale Formen des Antisemitismus untersucht wurden. Diese Tendenzen sind insbesondere in linken Milieus zu beobachten und bieten eine neue, beunruhigende Brücke zwischen rechten und linken extremistischen Gruppen.
Sinkende Zufriedenheit mit der Demokratie in Deutschland
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die sinkende Zufriedenheit mit der Demokratie in Deutschland. Während 90,4 % der Befragten Demokratie als Idee befürworten, ist die Zufriedenheit mit der tatsächlichen Umsetzung in der Bundesrepublik auf ein Tief gesunken. Nur noch 42,3 % der Befragten unterstützen die Demokratie, wie sie aktuell in Deutschland umgesetzt wird. Besonders im Osten sind die Werte drastisch gesunken – nur noch 29,7 % zeigten sich zufrieden, verglichen mit 53,5 % im Jahr 2022.
Diese negative Entwicklung wird oft auf politische Verdrossenheit und das Gefühl fehlender Mitbestimmungsmöglichkeiten zurückgeführt. Erstmals konnten die Befragten ihre Gedanken zur Demokratie in Freitextfeldern teilen, wobei eine generelle Verdrossenheit gegenüber Parteien und Politik deutlich wurde.
Antimoderne Ressentiments und autoritäre Tendenzen
Die Studie zeigt, dass autoritäre und anti moderne Ressentiments in Deutschland zunehmen. Durch die Abwertung „Fremder“ wird die Möglichkeit geschaffen, autoritäre Aggressionen zu legitimieren. Insbesondere Muslimfeindschaft, Antiziganismus und Antifeminismus sind weit verbreitet. Während sich die feindlichen Einstellungen gegenüber Muslimen und Sinti und Roma im Osten kaum verändert haben, sind sie im Westen signifikant gestiegen. Auch die Transfeindlichkeit stellt laut Studie ein wachsendes Problem dar.
Gesellschaftliche Herausforderungen und Ausblick
Prof. Dr. Oliver Decker fasst die Ergebnisse zusammen: „Die Studie zeigt, dass viele Menschen die Zukunft als ungewiss betrachten und zunehmend von der Realität abweichen.“ Die gesellschaftliche Tendenz, sich autoritären Ideologien zuzuwenden, erstreckt sich nicht mehr nur auf Ostdeutschland, sondern zeigt sich vermehrt

auch im Westen. Die Zukunftsfähigkeit der Demokratie in Deutschland steht angesichts dieser Entwicklungen vor großen Herausforderungen.
Über die Leipziger Autoritarismus Studie
Seit 2002 wird die Leipziger Autoritarismus Studie regelmäßig durchgeführt. Sie untersucht die Verbreitung von autoritären und demokratiefeindlichen Einstellungen in der deutschen Bevölkerung. Für die aktuelle Studie wurden 2.500 Personen befragt, was eine repräsentative Einschätzung der politischen Stimmungen in Deutschland ermöglicht.
Die Ergebnisse der Leipziger Autoritarismus Studie 2024 werfen ein alarmierendes Licht auf die politische Stimmung in Deutschland. Die Zunahme von Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und autoritären Einstellungen sowie die sinkende Demokratiezufriedenheit zeigen, dass Deutschland vor sozialen und politischen Herausforderungen steht. Die Entwicklung erfordert gezielte Maßnahmen, um das Vertrauen in die Demokratie wiederherzustellen und extremistische Tendenzen in der Bevölkerung zu reduzieren.