Aus der Region

Resümee (1-7)

foto/abs

Über Klimaschutz wird viel gesprochen.
Doch die eigentliche Frage lautet längst: Was passiert direkt vor unserer Haustür?

Während überall neue Flächen versiegelt und Gebäude abgerissen werden, stehen gleichzeitig große bestehende Immobilien leer oder werden kaum genutzt. Dabei steckt genau dort eine enorme Chance für Ressourcen-, Wasser- und Klimaschutz.

Grefrath könnte zeigen, dass moderne Entwicklung nicht immer Abriss und Neubau bedeuten muss.
Die Möglichkeiten sind längst sichtbar. Seit Jahren.

Die Diskussion über Wasser, Ressourcen und Klimaschutz wirkt häufig abstrakt. Internationale Konzerne, globale Wasserkrisen oder austrocknende Regionen erscheinen weit entfernt vom Alltag kleiner Gemeinden. Doch genau dort entscheidet sich, ob sich Entwicklungen tatsächlich verändern. Nicht auf Konferenzen allein, sondern vor Ort – bei Bauprojekten, Flächennutzung und politischen Entscheidungen.

Die vergangenen Artikel dieser Serie haben gezeigt, wie eng Wasser, Beton, Landwirtschaft, Industrie und Ressourcenverbrauch miteinander verbunden sind. Wasserknappheit entsteht nicht plötzlich. Sie ist häufig das Ergebnis jahrzehntelanger Entwicklungen: versiegelte Böden, steigender Flächenverbrauch, intensive Landwirtschaft, unnötige Abrisse und immer neue Betonflächen.

Gerade deshalb beginnt echter Klimaschutz nicht erst bei internationalen Abkommen, sondern direkt in Städten und Gemeinden. Auch in Grefrath stellt sich zunehmend die Frage, wie künftig mit bestehenden Flächen und Gebäuden umgegangen werden soll.

Dabei existieren bereits heute zahlreiche Möglichkeiten, Ressourcen zu schonen und sogenannte graue Energie zu erhalten. Statt funktionierende Gebäude abzureißen und neue Flächen zu versiegeln, könnten bestehende Immobilien deutlich stärker in moderne Konzepte eingebunden werden. Genau darin liegt eine der größten Chancen nachhaltiger Entwicklung.

Abriss ist nicht automatisch Fortschritt

Besonders sichtbar wird dies bei größeren leerstehenden oder teilweise ungenutzten Gebäuden und Industrieflächen. Allein in Grefrath existieren mehrere Standorte, die enormes Potenzial für neue Nutzungskonzepte bieten könnten.

Immer wieder diskutiert wird beispielsweise die Frage nach geeigneten Standorten für öffentliche Einrichtungen wie ein Museumsarchiv im Kreis Viersen. Die Notwendigkeit zusätzlicher Flächen mag nachvollziehbar sein. Gleichzeitig stellt sich jedoch die Frage, ob dafür tatsächlich neue Flächen versiegelt oder zusätzliche Neubauten errichtet werden müssen.

In Grefrath selbst stehen bereits große bestehende Areale zur Verfügung. Dazu gehört unter anderem das ehemalige Girmes-Gelände, das aufgrund seiner Größe und vorhandenen Struktur erheblicheMöglichkeiten bieten könnte. Auch die große ehemalige Liegenschaft von Johnson Controls bietet Potenzial für neue Nutzungskonzepte, ohne zusätzliche Flächen in Anspruch nehmen zu müssen.

lost places, hall, columns, pforphoto, expired, the atmosphere, factory, old, decay, architecture, flow, mosaic, tile, building, old factory, disintegrate, industry, abandoned places, hall, hall, hall, factory, factory, factory, factory, factory, tile, industryHinzu kommt das ehemalige NATO-Gelände in Vinkrath. Große bestehende Flächen dieser Art besitzen infrastrukturelle Voraussetzungen, die vielerorts erst neu geschaffen werden müssten. Gleichzeitig würde eine Nutzung vorhandener Areale verhindern, dass weitere Natur- oder Landwirtschaftsflächen bebaut werden.

Doch nicht nur große Industrieflächen spielen eine Rolle. Auch kleinere bestehende Gebäude könnten stärker in nachhaltige Konzepte einbezogen werden. Der alte Penny-Markt in Grefrath oder das ehemalige Schulgebäude in Mülhausen zeigen beispielhaft, wie schnell funktionierende Bausubstanz auf Abrisslisten geraten kann.

Graue Energie verschwindet mit jedem Abriss

Gerade beim ehemaligen Schulgebäude wird ein grundlegendes Problem moderner Baupolitik sichtbar. Viele ältere Gebäude besitzen stabile tragende Strukturen und könnten mit vergleichsweise geringem Aufwand modernisiert oder umgebaut werden. Stattdessen erscheint Abriss häufig wirtschaftlich einfacher oder politisch attraktiver. Dabei geht mit jedem Abriss enorme graue Energie verloren – also Energie und Ressourcen, die bereits in Herstellung und Bau investiert wurden.

Dieser Aspekt wird in öffentlichen Diskussionen noch immer unterschätzt. Klimaschutz wird häufig fast ausschließlich mit Heizungen, Verkehr oder Stromverbrauch verbunden. Der Ressourcenverbrauch des Bauwesens und die Folgen von Flächenversiegelung erhalten dagegen deutlich weniger Aufmerksamkeit, obwohl sie erheblichen Einfluss auf Wasserhaushalt und Klima haben.

Jede neue Betonfläche verändert den natürlichen Wasserkreislauf. Regenwasser kann schlechter versickern, Böden speichern weniger Feuchtigkeit und Hitzeperioden verstärken sich. Gleichzeitig steigen die Risiken bei Starkregenereignissen. Was vielerorts als Fortschritt verkauft wird, führt langfristig oft zu neuen Problemen.

Gerade Gemeinden wie Grefrath besitzen jedoch die Chance, andere Wege zu gehen. Statt immer neue Flächen auszuweisen, könnten bestehende Gebäude und Industriebrachen stärker genutzt werden. Sanierung statt Abriss würde nicht nur Ressourcen sparen, sondern auch den Charakter bestehender Orte erhalten.

Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Faktor. Infrastruktur ist vielerorts bereits vorhanden: Straßen, Leitungen, Strom- und Wassernetze existieren oft längst. Neubaugebiete dagegen erfordern häufig zusätzliche Erschließung, neue Straßen und weitere Versiegelung. Nachhaltige Nutzung bestehender Flächen kann deshalb auch finanziell sinnvoll sein.

Grefrath hätte die Chance, anders zu handeln

Die eigentliche Herausforderung liegt dabei weniger in technischen Möglichkeiten als im politischen Willen. Solange Neubau häufig attraktiver erscheint als Sanierung, werden weiterhin Ressourcen verloren gehen. Gleichzeitig wächst jedoch das öffentliche Bewusstsein dafür, dass Flächen und Wasser nicht unbegrenzt verfügbar sind.

Besonders im ländlichen Raum könnten Gemeinden eine Vorreiterrolle übernehmen. Statt Wachstum ausschließlich über neue Baugebiete zu definieren, könnten vorhandene Gebäude und Areale

gezielt modernisiert und umgenutzt werden. Dadurch ließen sich Ressourcenverbrauch, Versiegelung und Abriss deutlich reduzieren.

Die Frage lautet deshalb nicht, ob nachhaltigere Entwicklung möglich wäre. Die Möglichkeiten sind vielerorts längst vorhanden. Entscheidend ist, ob bestehende Potenziale erkannt und genutzt werden.

Grefrath könnte dabei beispielhaft zeigen, dass moderne Entwicklung nicht zwangsläufig mehr Beton, mehr Abriss und mehr Flächenverbrauch bedeuten muss. Gerade kleinere Gemeinden besitzen oft noch die Chance, vorhandene Strukturen sinnvoll weiterzuentwickeln, bevor unwiederbringliche Ressourcen verloren gehen.


Die Herausforderungen rund um Wasser, Klima und Ressourcen wirken global, ihre Lösungen beginnen jedoch lokal. Jede versiegelte Fläche, jeder unnötige Abriss und jedes ignorierte Bestandsgebäude beeinflusst langfristig Umwelt und Lebensqualität. Gemeinden wie Grefrath besitzen die Möglichkeit, Entwicklung anders zu denken: nicht durch immer neue Flächen, sondern durch kluge Nutzung dessen, was bereits vorhanden ist. Genau darin könnte echter Fortschritt liegen.

Informationen zu Flächenversiegelung und Ressourcenverbrauch veröffentlicht das Umweltbundesamt unter https://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-flaeche/flaechensparen während Hintergrundinformationen zur grauen Energie bei Gebäuden unter https://www.dena.de/themen-projekte/gebaeude/graue-energie/ abrufbar sind. Daten zur nachhaltigen Stadt- und Flächenentwicklung stellt das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung unter https://www.bbsr.bund.de bereit während Informationen zur Region und kommunalen Entwicklung beim Kreis Viersen unter https://www.kreis-viersen.de veröffentlicht werden.

Bilder sind nur zur Verdeutlichung.

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