Angst
Wenn ich nicht schon so alt wäre und wenn mein Körper mich nicht täglich an seine Grenzen erinnern würde, dann würde ich wahrscheinlich keinen Augenblick zögern.
Ich würde gehen.
Nicht, weil ich Deutschland nicht liebe. Sondern weil ich das Gefühl habe, dass sich dieses Land in eine Richtung bewegt, die mir Angst macht.
Jeden Tag höre ich neue Forderungen, neue Verschärfungen, neue Debatten über Sozialabbau, Ausgrenzung, Kontrolle und angeblich notwendige Härte. Worte, die vor wenigen Jahren noch Empörung ausgelöst hätten, werden heute mit erschreckender Selbstverständlichkeit ausgesprochen. Positionen, die früher am Rand standen, rücken immer näher in die politische Mitte.
Für mich fühlt sich das an, als würden rechte Parolen nicht durch die Vordertür kommen, sondern Stück für Stück durch die Hintertür verwirklicht.
„Der politische Kurs, den Donald Trump in den USA weiterhin verfolgt und dessen Sprache und Forderungen inzwischen auch hierzulande immer öfter anklingen, lässt mich ratlos zurück. Er macht mir Angst, weil ich den Eindruck habe, dass sich Deutschland Schritt für Schritt von dem entfernt, was nach den unsäglichenVerbrechen des Nationalsozialismus unser demokratisches Fundament bilden sollten.“Am schlimmsten ist dabei nicht einmal die Wut.
Es ist die Ohnmacht.
Dieses Gefühl, Entwicklungen zu sehen, vor denen man seit Jahren warnt, und gleichzeitig zu erleben, dass immer mehr Menschen sie als normal akzeptieren.
Ich gehe oft mit Sorge ins Bett und wache mit derselben Sorge wieder auf. Nicht wegen einer einzelnen Entscheidung. Nicht wegen einer einzelnen Partei. Sondern wegen eines gesellschaftlichen Klimas, das sich verändert.
Angst und Ohnmacht sind schlechte Begleiter. Sie rauben Lebensqualität. Sie nehmen Zuversicht. Sie lassen Menschen an der Zukunft zweifeln.
Und genau das sollte in einer Demokratie niemals der Normalzustand sein.
Denn ein Land lebt nicht nur von Wirtschaftszahlen, Haushaltsplänen oder Wahlumfragen.
Ein Land lebt auch davon, dass seine Menschen Vertrauen haben. Vertrauen in die Zukunft. Vertrauen in die Politik. Vertrauen darauf, dass Menschlichkeit, Solidarität und sozialer Zusammenhalt nicht als Schwäche gelten.
Dieses Vertrauen schwindet bei mir mehr und mehr.
Und das macht mich traurig.
Fotos sollen nur verstärken.
